Geteiltes Leid bringt neues Glück

Bunte Girlanden flatterten im leisen Septemberwind an den Gartentoren der Familien Jensen und Mester. Die passionierten „Laubenpieper“ feierten in ihren farbenfroh geschmückten Kleingärten wieder einmal ausgelassen ein Erntefest. Neben der Freude an der Gartenpflege verband diese beiden Familien, dass ihre Kinder in etwa gleichaltrig waren.

Doch das frohe Miteinander fand durch den plötzlichen Tod von Peter Jensens Ehefrau, die an einem Herzversagen starb, ein jähes Ende. Das Leben schien plötzlich völlig aus den Fugen zu geraten. Verzweiflung und Trauer machten sich breit, nichts war mehr so wie früher. Man konnte ihre fröhliche Stimme nicht mehr hören, nicht mehr mit ihr reden.
Der hochgewachsene Peter hatte seine zierliche Frau sehr jung geheiratet. Für die Zwei galt noch das althergebrachte Rollenverständnis: Sie war für das heimische Wohl der Familie zuständig gewesen, er für die materielle
Versorgung.

15 Jahre später war Peter mittlerweile vor Kummer ergraut. Er kam sich allein mit seinem jüngsten, 17-jährigen Sohn in dem großen Zweifamilienhaus schrecklich einsam vor. Betroffen stellte der Witwer fest, dass ihm vom einstigen gemeinsamen Freundeskreis nur wenige die Treue hielten. Als dann im gemischten Kegelklub die Männer auch noch anfingen, ihn misstrauisch als potentiellen „Verführer“ ihrer Frauen zu beäugen, trat Peter kurzerhand aus. Konnten die Kegelbrüder sich denn nicht vorstellen, dass ihm kaum der Sinn danach stand, ihnen die Partnerin auszuspannen? Er sehnte sich einfach nur nach Gesellschaft!
Doch Peter war nicht der einzige Mensch im Kleingartenverein, der einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hatte. Lisa Mester, die patente Gartennachbarin von Peter, stand ebenfalls unerwartet allein da, als ihr Mann Jürgen an einem Schlaganfall verstarb.

Eines Tages rief der in Haushaltsdingen noch immer recht hilflose Peter Jensen Lisa an, um zu erfragen, bei wie viel Grad er wohl seine Gardinen waschen solle. Spontan erklärte Lisa sich bereit, ihm unter die Arme zu greifen und gab ihm lachend den Auftrag schon einmal die Haushaltsleiter hervorzusuchen. Wenig später nahm sie schwungvoll die Gardinen ab. Während des Waschvorgangs hielten die beiden einen gemütlichen Plausch bei einer Tasse Kaffee. Peter bewunderte, mit welcher Flinkheit und Leichtigkeit Lisa die Gardinen wieder aufhängte und zurecht steckte. Er war so erfreut, dass er Lisa zum Dank in ein griechisches Restaurant einlud. Beide empfanden das Zusammensein dort als sehr angenehm. Sie kannten sich ja schon lange und waren zudem Leidensgenossen, denn auch Lisa hatte bezüglich ihres Freundeskreises ähnliche Erfahrungen machen müssen wie Peter. Bei gutem Essen, Kerzenschein und mediterraner Musik wurde es für die Zwei ein besonders schöner Abend. So fasste der Frauen gegenüber sonst eher schüchterne Peter sich ein Herz und bat Lisa um ein weiteres Treffen.